Fri 7 Mar 2008 11:17
Je mehr du Gott erkennst,
je mehr wirst du bekennen,
dass du weniger Ihn was er IST
kannst nennen.Angelus Silesius -wikipedia
Ich bin in keiner Weise religiös, aber als Atheisten mag ich mich auch nicht wirklich bezeichnen. Apropos: Zum Thema Atheismus hat Roman einen interessanten Artikel geschrieben. Einer seiner Sätze hat mich schon damals nachdenklich gemacht und ich frage mich, ob die Aussage berechtigt ist:
Wir können im Prinzip gar nicht anders als atheistisch sein. Denn gäbe es tatsächlich eine Gottheit im klassischen Sinne, so könnte uns jener gar nicht wahrnehmen und wir ihn nicht. Die beiden Welten sind inkompatibel zueinander. - ego.yoda.ch
Sagt Roman nicht ungefähr das gleiche, wie Angelus Silesius? Die Worte von Angelus Silesius kann ich nämlich sehr gut nachvollziehen, denn je länger ich mich mit der spirituellen Welt befasse, dessto weiter weg rückt das Bild eines (klassischen) Gottes, weil alle Elemente in meinem (sehr wohl beschränkt) wahrnehmbaren Universum zu einer Einheit zusammenfliessen, die ich anfange als Gott zu sehen. Gott löst sich so zu sagen auf in der Einheit, was auf den ersten Blick etwas widersprüchlich ist, aber in etwa das bedeutet, was auch im obigen Silesius-Zitat ausgesagt wird.
Und jetzt wirds schwierig: wenn sich Gott in der Einheit auflöst, gibt es dann überhaupt einen Gott und müsste ich mich dann nicht als Atheisten bezeichnen?
„Atheismus“ steht im weiteren Sinn für die Abwesenheit des Glaubens, dass es göttliche Wesen gibt, und im engeren Sinn für den Glauben, dass es keine göttlichen Wesen gibt, wie uns wikipedia erklärt.
Hhhmmm, nein. Da ich bisher weiterhin an göttliche Wesen glaube und zwar im Sinne, dass alle Wesen und alles letztendlich göttlich ist, gilt die Bezeichnung Atheist nicht für mich. Vielleicht kann ich mich weiterhin als spirituell Suchende bezeichnen. Ich freue mich auf eure Kommentare!
March 18th, 2008 at 23:56
Liebe Alexandra
Der ehrwürdige Laotse schrieb in seinem ersten Kapitel; Das Tao, dass sich beschreiben lässt, ist nicht das Tao, dass ich meine.
Dieses Problem ist eines der tiefsten jedes Sinnsuchenden, denn das Ganze zu erkennen von dem ich selber ein Teil bin, ist fast unmöglich.
Dazu die Problematik, dass unsere Betrachtung meist mit dem Verstand erfolgt, welcher Dual angelegt ist und nun ein System erfassen soll, welches Einheit darstellt.
Doch auf Grund dieses Mankos zu behaupten, Göttlichkeit existiere nicht, ist etwas egoistisch, sprich äusserst selbstbezogen.
Zudem lässt sich dessen Anwesenheit mit dem Herzen erahnen. Sinnigerweise ein Organ mit der Möglichkeit zum “Einheitlichen Schauen”.
Schon der kleine Prinz erzählte uns davon.
March 20th, 2008 at 12:17
Lieber SeelenLeerer
Dann sagt Tao in etwa das, was Silesius später auch erkannte.
Es ist tatsächlich schwierig in unserer dual angelegten Welt aus dieser Zweigeteiltheit auszubrechen oder anders gesagt über diese Begrenzungen hinweg zu denken.
Und vielleicht ist das Fühlen das Werkzeug, das uns schliesslich die Brücke zum geistigen Prinzip aufrecht halten lässt?
Mit dem Atheismus habe ich mich als Jugendliche nur solange befasst, bis ich mich von den religiösen Institutionen genügend abgrenzen konnte. Heute brauche ich weder ein Konstrukt der Gottesabwesenheit noch der Kirchen, um an das Göttliche zu glauben.
Und endlich kann ich in dem Zusammenhang auch ein Zitat von Maitreya einflechten:
“Glaube ist das Vertrauen in etwas, das nicht sichtbar und nicht fühlbar ist. Es ist eine kostbare und machtvolle Gabe.”
Ich bin froh, dass ich glauben kann!