Thu 20 Mar 2008 12:43
Manchmal liest man ein Buch und es hat einfach nur unterhalten, manches Buch war fesselnd und man erinnert sich noch lange daran, dass man es gelesen hat. Manche Bücher werden zum persönlichen Kultbuch und an manch gelesene Bücher erinnert man sich gar nicht mehr.
Mein letztes Buch, das ich gelesen habe, gehört ganz bestimmt nicht zu der letzten Kategorie. Aber so richtig will dieses Buch in keine mir bisher bekannten Kategorien gehören. Ich spreche von “Die Wand” von Marlen Haushofer.
Aha, werden sich wohl einige denken, das ist ja momentan ein sogenanntes Kult-Buch. “Die Wand” habe ich aber nur deshalb gelesen, weil es mir von einer Kollegin empfohlen wurde. Und sie wiederum hat es wohl auch empfohlen bekommen, also ist das wohl doch ein Kult-Buch.
Die Geschichte ist rasch erzählt: Eine Frau fährt mit Freunden in die Berge in eine Jagdhütte. Die Freunde gehen abends ins Dorf runter und kehren nicht mehr zurück. Die Frau bleibt alleine in der Jagdhütte zurück und entdeckt am nächsten Tag, dass sich um sie herum eine gläserne Wand gebildet hat. Die Wand kann sie nicht überwinden und bleibt in ihrer Welt gefangen. Und es scheint, dass alle anderen Menschen auf der Welt gestorben sind. Irgendwann fängt sie an, ihre Geschichte niederzuschreiben. Sie beschreibt, wie sie ihren Alltag verbringt, wie sie sich ihre Nahrung besorgt, ihre Kleidung pflegt, das Feuer hütet und ein paar wenige Tiere versorgt.
Für das Lesen des Buches habe ich lange gebraucht. In der ersten Phase packte mich die übliche Neugier aufs Ende, deshalb hab ich weitergelesen. Aber je tiefer ich mich in der Geschichte befand, desto langsamer wurde ich mit dem Lesen. Plötzlich war es nicht mehr wichtig zu erfahren, wie diese Wand entstanden ist und ob die Frau jemals wieder rauskommt. Ich ergab mich der Alltags-Beschreibung der allein zurückgebliebenen Frau in den Bergen.
Die Frau erzählt nie viel von ihren Gefühlen, ihre Vergangenheit wird nur in 2,3 Sätzen erwähnt. Und auch, wie sie mit der Einsamkeit emotional zu Recht kommt, erwähnt sie nie. Die Frau konzentriert sich auf ihren körperlichen Zustand und ihre Sorge um ihre Tiere. Und doch schafft es Marlen Haushofer, dass der Leser sich die elementarsten und existenziellsten Gedanken übers Leben macht, wie z.B. wie könnte ich leben, wenn das Feuer endgültig ausgeht und ich in der Kälte und Dunkelheit ausharren müsste und würde ich auch mal Freude empfinden können, wenn ich wüsste es existiert ausser mir kein anderer Mensch. Wie könnte ich ohne Tiere existieren und wann würde ich freiwillig aus dem Leben scheiden? Und schliesslich: was würde mich an so einem Leben überhaupt motivieren, weiterzuleben?
Das Buch habe ich vor 2 Wochen fertig gelesen. Und es hallt immer noch in mir nach. Fast täglich tauche ich in die Welt der Frau zurück und empfinde durchaus etwas Beklemmendes, aber auch eine unglaubliche Ruhe und eine Stärke und Gewissheit, dass ich so eine Situation letztendlich auch meistern würde. Ein unglaubliches Buch!
Ich bleibe dabei, ich glaube an Engel (mehr dazu in einem nächsten Post)!
Vom Reden
Heute ist mir mein erstes “esoterisches” Buch in die Hände gefallen. Vor 22 Jahren habe ich es entdeckt und mit diesem Buch begann meine spirituelle Reise. Ich rede hier von Thorwald Dethlefsens “Schicksal als Chance - Das Urwissen zur Vollkommenheit des Menschen”. Dethlefsen war Schüler des Münchner Astrologen